eingeweiht am 17. Februar 2008

eingeweiht am 17. Februar 2008
Newborn Denkmal in Prishtina, eingeweiht am 17. Februar 2008.Aufbruch in eine neue Zukunft!

Mumsen und Lisa mitten drin!

Mumsen und Lisa mitten drin!
Mumsen und Lisa mitten drin!

Nach 3 Monaten

Nach 3 Monaten
Ein Bild zum Abschied - der Winter ist fast da, Lisa hat eine neue Frisur, Mumi eine neue Sitzhaltung....und wir sind voller Erlebnisse und Eindrücke....

Mire se vini

Ludwigsburg / Lüneburg 01.11.2010

Wir sind wieder zurück!

Der Aufenthalt im Kosovo ist beendet und wir sind mit unglaublichen Eindrücken, Erlebnissen, Fragen, Unsicherheiten und Erfahrungen zurückgekehrt in den Alltag. Als Erinnerung bleibt nicht nur dieser Blog!


Wer sind wir und was machen wir hier?

Wir sind Muhamet und Lisa, zwei Studierende von der PH Ludwigsburg bzw. Uni Lüneburg. Dank eines ASA Stipendiums haben wir die Möglichkeit bekommen, hier in Prishtina, Kosovo ein Projekt durchzuführen.

Hier auf diesem Blog wollen wir euch mit kleinen Anekdoten, Geschichten, Gedanken an unseren Erfahrungen Teil haben lassen. Es wird hoffentlich interessant, lustig, nachdenklich, schrill, aufklärend und und und. Rechts unter der Rubrik 'Seiten' findet ihr unsere Projektbeschreibungen und jeweilige Entwicklungen.

Viel Spaß wünschen wir!

Sonntag, 12. September 2010

(Mumsen) Spannungsfelder

Jetzt bin ich heute genau einen Monat im Kosovo. Es ist unglaublich, wie viel ich gesehen und erlebt habe. Täglich lerne ich mehr und mehr dazu.

Ich sehe aber auch täglich Spannungsfelder, die einen schnell aufreiben können. Es sind extreme Kontraste zwischen arm und reich, zwischen chic und ärmlich, Schubkarren und Autos, die ich selten in Deutschland sehe, zwischen Menschen, die Geld rauswerfen und Bettlern - an gleicher Stelle. Kontraste sind auch in den Ministerien zu sehen. Hier weht ein Kampf zwischen dem kommunistischen Gedanken in den Hinterfeldern und der neuen Generation in den oberen Gremien. Ich hab oft den Eindruck, dass die alten Garden das Rennen machen und es sich gut gehen lassen ohne etwas zu tun und somit auch die Ambitionen der Oberen stoppen.

Es lässt sich sagen, dass keine richtige Mitte ersichtlich ist. Es gibt sie zu selten und wenn sie anzutreffen ist, dann nur, damit sie nach oben strebt. Erst hier wird mir klar, wie verdammt wichtig sie ist, diese so oft genannte Mitte.

Spannungsfelder gibt es ohne Ende. Damen, die mit High Heels durch die Stadt laufen und im Schlamm landen wegen der Baustellen und es dennoch nicht aufgeben. Jungs, deren wichtigstes Lebensmerkmal „gut aussehen“ und eine coole Brille haben, sind. Ein Verkehr, der keine Art von Regeln einhält und Fußgänger in unglaubliche Gefahr bringt.

Trotz allem gibt es auch diese andere Seite, diese Gastfreundschaft, bei der dir jeder sogar sein letztes Stück Brot gibt, diese Merkmale der Kommunikation, in der man viel miteinander redet und sich findet. Irgendwie auch wenn es nicht komplett ist - es ist ausreichend.

Es gibt diesen Kontrast hier, zwischen 'Wir hassen unsere Politiker für das was sie tun', und 'Wir lieben sie abgöttisch'. Es gibt diese Einstellung gegenüber den Internationalen, die zwiespältig ist, zwischen 'Gut, dass sie da sind' und 'Sie sollten gehen'.

Es gibt eine Einstellung, 'familiär' zu denken, zum eigenen Vorteil, 'regional' zu denken zum eigenen Vorteil und 'institutionell' zu denken, zum eigenen Vorteil. Korruption nennt das keiner hier, denn es ist keine, sondern eher Tradition aus der Geschichte heraus.

Ich bin hier seit einem Monat, bewege mich dazwischen, versuche zu verbinden und es gelingt zum Teil, andererseits werde ich beäugt und mit Vorsicht genossen - vielleicht auch gerade wegen der Spannungsfeldern, die ich aufzeigen kann: in der Handlung, im Denken, in der Richtung. Ich werde anders beurteilt in meinen Handlungen, weil ich auch eine Gefahr und Konkurrenz darstelle. Das wird mir immer wieder klar. Oft wird es mir auch direkt gesagt.

Die Brücke von Mitrovice symbolisiert für mich dieses Hin und Her, zwischen irgendwo und nirgendwo, die Spannung, die in der Luft liegt - im Spannungsfeld. Was mich hält und erhält ist die Tatsache, dass ich vertraue in eine Richtung. Ich bau auf, auch wenn ich scheitern kann. Ich bau auf, weil ich denke, dass man hier Reibungsfläche braucht - um etwas entstehen zu lassen.

Eigene Spannungsfelder werden mich noch lange beschäftigen. Das weiß ich sicher.

Donnerstag, 9. September 2010

(lisa) Busfahrt auf albanisch

Meine 4 Tage Kurzurlaub mit meinen Eltern an der montenegrinischen Küste waren nun also vorbei und ich musste den Bus zurück nach Prishtina nehmen. Eine ca. 9stündige Busfahrt durch die Nacht ab Podgorica, der Hauptstadt Montenegros, stand mir bevor.
Ich hatte also mein Ticket gekauft und wartete schon am richtigen Einstiegsplatz. Als der Bus ankam, drängelten sich die meisten Leute direkt zur Tür, aber ich musste erstmal zum Kofferraum um meinen Rucksack dort abzulegen. Zurück zur Bustür fand ich da ein unglaubliches Gewusel und Durcheinander vor und einen Busfahrer, der die Tür blockierte und irgendwelche Reden schwang, die alle anderen Mitreisenden unglaublich empörten. Ich dachte ja eigentlich, dass alles gut ist mit einem gekauften Ticket in der Hand, aber in Anbetracht der Menschenmege konnte garnicht jeder einen Platz in diesem Bus erhalten. Na super, dachte ich mir! Eins und eins zusammenzählend und einige wenige albanische Wörter verstehend, konnte ich mir zusammenreimen, dass der Busfahrer darüber aufklärte, dass gleich noch ein Bus käme, in dem dann genug Platz sei. Als ich gerade jemanden um eine Übersetzung bitten wollte, rollte hinter uns auch schon ein weiterer Bus an, zu dem dann die Hälfte der Leute hin abzog. Da ich mein Gepäck schon in den Gepäckraum gequetscht hatte, wollte ich jetzt aber mit diesem Bus fahren. Also stellte ich mich brav an, was natürlich allen anderen so was von egal war und ich somit schön zur Seite gedrängelt wurde und mich immer weiter vom Ziel 'Bustür' entfernte. Ich hatte Assoziationen mit dem Film 'Titanic', in dem jeder verzweifelt versuchte, einen Platz im Rettungsboot zu ergattern. So jedenfalls verhielten sich die Leute. Als ich das gerade bemerkte, kam schon ein starker Arm zur Hilfe, der mich vorschub und in die Bustür drückte. Während sich meine Tasche irgendwo verfangen hatte und ich kurz auf der Treppe feststeckte, hatte ich schon weitere Hände an mir, die sich entweder an mir hochziehen wollten oder mich wieder rausziehen wollten. Wer weiß! Dass die Plätze so begehrt sind, hätte ich nicht gedacht. Tja, es wurde wohl nix aus einer gemütlichen Busfahrt, bei der ich mich schön über mehrere Sitze ausbreiten und dann schön schlummern konnte.
Während in meinem Bus noch das totale Gewusel war und ungefähr 10 Leute auf dem Gang standen, sah ich wie der Bus neben uns schon losfuhr und ich dachte mir, "Mist, wäre ich doch mal in den eingestiegen, das dauert bei uns bestimmt noch ewig". Aber Pustekuchen, in dem selben Moment fuhr auch unser Bus los. Haha, echt unglaublich, für die Leute im Gang war es wohl das normalste überhaupt. Dann ging im Bus nebenan kurz das Licht an und ich sah, dass die es noch viel schlimmer getroffen hatten, dort drängten sich die Leute quasi im Gang....Nun ja, ungefähr 10 Minuten später hielten wir kurz und es stiegen weitere Gäste dazu. Die Fahrgäste, überwiegend junge Männer übrigens, fingen natürlich an zu dritt sich auf die Sitze zu quetschen. Aufrücken war angesagt. Mein Sitznachbar war dem Dritten anscheinend gleich so vertraut, dass er seinen Arm um ihn legte und seinen Kopf auf seiner Schulter stütze. Ziemlich schnell war die Stimmung im Bus auf Hochtouren, Dinge wurden hin und her gereicht, Geschichten erzählt, gelacht, gegröhlt, gekabbelt, Pullover verliehen und als in den Musikvideos (ihr kennt sie schon aus dem 1. Blogeintrag ;)barbusige Bikinischönheiten zu albanischen Hip Hop Beats ihre Körper kreisen ließen, war keine Ruhe mehr in Sicht ....und ich würde trotzdem sagen, dass die sich alle vorher nicht untereinander kannten. Was für ein offenes, gastfreundliches, herzliches, entspanntes Völkchen sich doch hier mal wieder zeigte, dachte ich mir. Das beeindruckte mich schon sehr. Nunja, die Hip Hop Videos sollten aber schnell abgelöst werden von den traditionellen Sängern, die dann wieder nonstop in unglaublicher Lautstärke liefen und ab und zu meinen Hintermann animierten, fröhlich mitzusingen, wofür ich ihm nachts um 4h am liebsten eine aufs Maul gehauen hätte!! (Scherz, das hätte ich natürlich nie getan! Aber gerade unter Schlafmangel hat man ja die skurillsten Ideen). Ein Beispiel solcher Videos könnt ihr euch angucken unter http://www.youtube.com/watch?v=GUV0fz_A_mE. Typisches Muster würde ich sagen: immer ein/e Sänger/in auf einer komischen Bühne, umgeben von mehreren entweder traditionell oder sehr aufreizend gekleideten Tänzerinnen.
Ein bisschen mulmig war mir noch vor den Grenzen, ich wusste nicht, ob wir Serbien durchfahren würden, wo es dann mit meinem Pass hätte Probleme geben können. Denn Serbien erkennt die Unabhängigkeit des Kosovo ja nicht an und somit auch nicht deren Grenze zu Serbien. Als ich in den Kosovo durch Serbien eingereist bin, habe ich somit keinen Ausreisestempel aus Serbien erhalten. Auf meiner Reise nach Montenegro bin ich durch Albanien gefahren, das heißt auch diesmal keinen serbischen Ausreisestempel erhalten. So hätte ich also in Serbien einreisen müssen, mit nur einem Einreisestempel ohne dazugehörigem Ausreisestempel...dabei gibt es wohl öfter mal Probleme. Ich hatte mir schon Plan B überlegt, falls ich mitten in der Nacht, irgendwo in den Bergen den Bus hätte verlassen müssen. Aber gar kein Grund zur Sorge, entweder wir sind nicht über Serbien gefahren oder es hat also doch nicht gestört...ich weiß es nicht, bin aber problemlos und mit lauter Glücksgefühlen und Freude übers Zurücksein gegen 6h morgens in Pristhina eingerollt. Noch ganz verschlafen aber mit gutem Wetter erwartete mich das Städtchen....

Nachtrag: Hinterher lese ich nochmal über die Ein- und Ausreise nach. Eine Ausreise aus dem Kosovo über Serbien ist nur dann möglich, wenn man vorher auch auf dem Landweg über Serbien eingereist ist. Denn bei einer Einreise nach Serbien über das Kosovo erhielte man keinen serbischen Einreisestempel an der Grenze, so könnte bei der Ausreise aus Serbien dann ein Aufenthalt ohne Einreisestempel festgestellt werden, der wiederum einen Verstoß gegen das serbische Ausländerrecht darstellt und somit zur Festnahme führen kann.
Über meinen konkreten Fall konnte ich nix finden!


(lisa) Über Besuche bei Ministerien, direkte Kommunikationswege und einfache Kontaktaufnahme



In der kurzen Zeit, in der ich erst hier bin, habe ich wahrscheinlich so viele unterschiedliche Politiker und (vermeintlich) wichtige Persönlichkeiten kennegelernt sowie Zutritt zu Institutionen, Ministerien etc. erhalten, wie es mir wohl in meinem gesamten Leben nicht mehr passieren wird. Und dabei war das eigentlich immer ganz problemlos und einfach und begann meistens mit folgenden Sätzen von Mumsen (die ich auf albanisch wahrscheinlich bald aufsagen kann ;)'Wir sind zwei Studenten aus Deutschland....wir arbeiten an einem Projekt....' Und fast immer war sofort Interesse und Entgegenkommen vorhanden. Oft helfen (familiäre) Beziehungen aus, ins Gespräch zu kommen oder noch ein Stück weiter zu kommen.

Von dieser Sicherheitskonferenz am 1. Tag hier hatte ich ja schon berichtet. Nachdem der Innenminister dort gesprochen hatte, kam Mumi auf die Idee, ihn doch mal anzusprechen. Nach seinem Vortrag sind wir also zu ihm hin, es folgten die 2 berühmten Sätze (und noch einige weitere natürlich). Der Innenminister hat früher als Arzt gearbeitet, natürlich zufälligerweise in dem Ort, wo Mumi seine ersten 9 Lebensjahre verbracht hat. Man stellt also fest 'Ach, sie kennen doch meinen Vater, ja wissen Sie noch, Sie haben mich doch früher mal operiert...' Und schon ist man ganz vertraut mit dem Innenminister, der uns dann für den nächsten Tag auf ein Treffen einlädt. Am folgenden Tag zweifel ich noch ein wenig daran, ob es denn alles so klappt. Doch ohne Probleme gelangen wir dann in sein Empfangszimmer, wo wir ihn nur leider beim Fernsehengucken stören...Seine Mitarbeiter und Sektretäre sind voller Ehrfurcht und erheben sich sobald er (und auch wir!) den Raum betreten....

Nachdem Mumi von Deutschland aus schon mit dem Bildungsministerium Kontakt hatte, erhielten wir eine Telefonnummer, bei der wir uns melden sollten. Das taten wir auch und sollten dann im Bildungsministerium erscheinen. Nach einem Hin und Her durchs Ministerium, bei dem man feststellte, dass Freitags um 15h hier eigentlich kein Büro mehr besetzt ist und wir nur auf jemanden treffen, der zurückgelehnt in seinem Schreibtischstuhl, die Beine auf den Tisch gelegt, ein Buch liest, erhalten wir die Aufforderung, am Montag nochmal wiederzukommen. Klappt auch alles. Gespräch mit einem Sekretär des Bildungsministers.

Auf ähnliche Weise laufen Besuche beim Kultusministerium und beim Sozialministerium ab. Ein bisschen Hin- und Hergefrage und -gerenne, aber man wird immer sofort weitergeleitet, erhält Informationen und die gesuchten Personen (oder deren Vertreter) nehmen sich oft sofort Zeit. Und immer wieder frage ich mich, wie es in Deutschland laufen würde, wenn man einfach in ein Ministerium hereinspaziert....Versucht haben das sicher noch nicht viele....

Türsteher beim Duplex (Diskothek): von dem Polizeieintritt hatte ich ja schon berichtet. Jedenfalls war der Laden erstmal für weitere Gäste gesperrt, bis nicht geklärt war, wie es weitergeht. So standen wir also vor dem Eingang rum und warteten. Die Türsteher wollten uns partout nicht reinlassen. Nachdem Mumi (..so langsam kenne ich mich auch schon ein wenig aus und zische Mumi nur zu 'Los, versuch dich mal mit dem zu unterhalten')und einer der Türsteher aber feststellten, dass deren Väter aus dem gleichen Dorf stammten, verstanden sie sich sofort hervorragend und wir sollten doch mal schnell zum Hinterausgang kommen, wo er uns dann kurz die Tür aufmachen würde....

Ich sitze im Café um die Ecke, weil mein Internet mal wieder versagt hat und es hier guten Wireless Empfang gibt. Nach stundenlangem Skypen und Emailschreiben bin ich eine der letzten im Laden, so dass der Chef mich am Ende auf ein Gläschen Rotwein einlädt und mit mir quatschen will. In 2 Wochen eröffnet er ein neues Restaurant, ob er mich nicht auch zu der Eröffnungsfeier einladen könne....Aber gerne doch! So einfach geht das.

Nachdem wir über mehrere Ecke Kontakt zu einem Studi haben, der so eine Art Asta hier leitet und der uns bei Fragen bzgl. unseres Projektes gerne zur Seite steht, eröffnen sich weitere Türen. Als ich ihm erzählte, dass ich gerne im Radio eine kleine Ankündigung machen will, meinte er, er kennt da jemand, den wir mal fragen könnten. Als wir dann also in den Büros des Radiosender herumwandern, stellt sich heraus, dass er nicht persönlich jemanden 'kennt' sondern nur weiß, dass es eine Radioshow gibt, bei der wir mal nachfragen können. Auch hier sind wir also mit dem gleichen Rezept erfolgreich: Einfach mal hineinschneien und nachfragen, meistens schon spätestens 1 Tag später am Ziel sein.

Seit einiger Zeit hängen Plakate aus, die eine Dokumentation über die Boxlegende des Kosovos Asis Salihu ankündigen, die Premiere dazu soll im mittlerweile bekannten ;) Grand Hotel stattfinden. Das finden wir auch interessant. Mumi geht ins Grand Hotel an die Rezeption und lässt die Sätze los...Hmm die Rezeptionistin kann ihm wohl nicht weiterhelfen, aber im gleichen Moment kommt der Boxer höchstpersönlich durch die Lobby gelaufen und Mumsen solle sich doch mal an ihn wende...gesagt getan. Er ist natürlich von seinen Sätzen gleich ganz angetan und lädt uns sofort für den Abend ein. Einige Stunden später sitzen wir also am Tisch mit irgendwelchen crassen Politikern, die mir fragen stellen wie 'Lisa, was denken Sie denn über die Globalisierung' und als Unabhängige im kosovarischen Parlament sitzen, einem Mitarbeiter des Innenministers und einem ehemaligen UCK Kämpfer, der unter anderem bei der Gaza-Hilfsflotte Ende Mai einer der Aktivisten war (!!!!!!!!!!), bekommen ein 4-Gänge-Menü (wirklich genaus das gleiche wie bei der anderen Veranstaltung) serviert und haben unseren Spaß....aaaah ich drehe gleich durch!!




(lisa) Abschied auf albanisch und andere Kuriositäten der letzten Wochen

Der Sprachkurs und auch das 'International Seminar on Albanian Language, Culture and Literature' war nun also beendet und das sollte noch gebührend gefeiert werden. Mal wieder wurden wir zu so einer obskuren Umsonst-Veranstaltung eingeladen. Ein großes Essen im Grand Hotel. Der Festsaal und die gesamte Stimmung erinnern an kommunistische Zeiten (nun ja, so wie ich sie aus dem Fernsehen kenne). Das soll sich alles ändern nach dem 1. Gang (bestehend aus Wurstscheiben, Käsescheiben, Schinkenstücken,halbes gekochtes Ei mit Mayonnaise → ich glaube, das ist so richtige ordentlich deftige Balkan-Küche....fleischlastig und fettig! Das bestätigte sich auch beim Hauptgang: 3 Pommes, 2 Karottenscheiben und 2 große Steaks, 1 Putenfilet und mehrere Spieße...aaaaahhh). Was sich jedenfalls änderte....unsere Kurslehrerinnen ergriffen die Initiative, auf die Tanzfläche zu gehen und mit ihrem albanischen Tanz zu beginnen. Dieser besteht aus einer einfachen Schrittfolge, erhobenen Armen und sonst nix. Man fasst sich dabei an den Händen, die man nach oben hält und etwas auf- und abschwingt und bildet eine lange Kette (hmm so ähnlich wie bei dem griechischen Sirtaki vielleicht), der erste der Kette hält ein Tuch in den Händen, mit dem im Takt geweldet wird. Ab und zu bricht jemand aus der Kette aus, um dann in der Mitte ein kleines Tänzchen zum Besten zu geben. Normalerweise kommt dann das jeweils andere Geschlecht noch hinzu und es wird eine Art wilder Balztanz geführt (ihr könnt euch vorstellen, wer sich hauptsächlich im Kreis befand....Mumsen!!). So läuft es zwischen den Gängen, so dass sich das Essen gut und gerne auf 4 Stunden ausdehnt. Eine sehr schöne Sache muss ich sagen. Und wenn man sich einmal überwunden hatte, sich auf diese Geschichte einzulassen, machte es ziemlich Spaß!!
Eine schöne Entdeckung für mich während der letzten heißen Wochen war die grüne Lunge Prishtinas, der Germia Park. Dieses Gelände befindet sich im Nordosten von Prishtina und besteht aus Wäldern und Wiesen, dazwischen: Sportplätze, eine kleine Konzertfläche, Imbiss-Stände oder Restaurants sowie ein riesengroßes sozialistisch anmutendes Freibad (das mich beim ersten unerwarteten Anblick aufgrund der Größe und Lage in Staunen versetzte). Man braucht ungefähr 15min aus der Innenstadt dorthin und kann bequem die Buslinie 4 nehmen, die fast genau vor unserer Haustür losfährt. Die Busse sind Relikte aus Deutschland, Frankreich und anderen Ländern der vielleicht so 70er Jahre. Man liest 'Sortie', 'Während der Fahrt nicht mit dem Fahrer sprechen', große Aufschriften wie 'Bregenzer Landbus' oder altmodisch kreative Werbeslogans z.B. der Firma 'Reich Fenster', die dann lauten 'Der Wind kann jetzt schön weiter brausen, aber das tut er nicht mehr drinnen, sondern nur noch draußen'. Wohooo...was für ein Aufreißer!! Die Busse sind funktional, wenn auch oft etwas heruntergekommen (aber man merke, keine Tags oder Grafittis..), in vielen Bussen sind aber hochmoderne Flatscreens angebracht (was für ein Kontrast!!) auf denen dann entweder Gedudel von Britney Spears läuft (oh Wunder, nicht die traditionell albanische Musi) oder das Kinoprogramm von vor 2 Wochen angezeigt wird. Es gibt immer einen Busfahrer und einen dazugehörigen Geldeinsammler, die Fahrt kostet 30ct, egal wieviele Stationen man fährt. Einfaches Prinzip. Ein- und Ausgestiegen wird an den Bushaltestellen, oder überall dazwischen, nur das muss dann während leichter Fahrgeschwindigkeit geschehen, was für die wenigstens ein Problem darstellt. Die Fahrt nach Germia führt durchs Altstadtviertel und dann durch eine total zusammengewürfelte Landschaft. Man merkt, dass man sich aus dem Stadtzentrum entfernt, denn alles wirkt entzerrter und man findet mehr Freiräume. Am Straßenrand und weiter hinaus in der beginnenden Hügellandschaft findet man futuristische Blöcke, die Häuser darstellen sollen, imposante (!!) Villen, Hausskelette, Ruinen, Häuser im Schwarzwald Style. Interessant und sicher auch mal eine genauere Untersuchung wert! Zum Joggen eignet sich dieser Ort ganz hervorragend und an einem ersten kühlen Vormittag nehme ich es in Angriff. In meinen Informationen wird noch davor gewarnt, nicht unbedingt vom Weg abzukommen, da noch die eine oder andere Landmine vorhanden sein könnte. 2004 waren offiziell immer noch nicht alle Landminen entschärft und man konnte wohl noch Kinder finden, die in unmittelbarer Nähe zu Minenmarkierungen spielten. Na Dankeschön! Die Yugoslav National Army hatte früher ihre Lager hier in den Wäldern. Das war der Grund für all die Mienen. Unterwegs trifft man Leute die Spaziergänge machen, Familien mit Hunden, anmutig aussehende Herren mit Gehstock und Plis auf dem Kopf (die traditionelle männliche Kopfbedeckung hier, die ein wenig an eine halbe Eierschale erinnert), Jogger/innen, Sportteams beim Training...Nach ca. einer halben Stunde finde ich eine kleine Quelle am Wegesrand. Jemand hat sogar kleine Plastikbecher daneben gestellt. Ich erfrische mich ein bisschen während ich mal wieder finde, wie gastfreundlich und sozial die Leute doch hier sind (dass sie sogar Plastikbecher an einer Quelle bereit stellen... :). Die Stunde durch Wälder und über Berge hoch und runter tut gut. Vor allem die einigermaßen frische Luft tut gut. Denn wenn Prishtina ein Problem hat, dann ist es ein Staub- und Smogproblem. Mumsen und ich hatten zu Beginn hier öfter Nasenbluten und unsere tolle Theorie erklärt das damit :) Die Stadt ist unglaublich überfüllt von Autos (ein erhebliches Verkehrs- bzw. Infrastrukturproblem kommt also auch noch hinzu), dazu kommt die Trockenheit und die vielen Baustellen. Manchmal hat man das Gefühl, man kann nicht mehr richtig atmen. Die Wohnung ist voll mit Staub und der Kampf dagegen ist aussichtslos. Die Ladenbesitzer verschütten vor ihren Geschäften Wasser, um so etwas gegen die staubige Luft zu tun. Ab und zu sieht man so eine Art Bewässerungsfahrzeuge, das mit einem riesigen Wassertank beladen die Straßen befeuchtet. Zu diesem Zwecke vielleicht sinnvoll, aber sonst ist Wasserverschwendung hier wohl recht gängig (Autowäschereien sind das Boom-Geschäft hier, lecke Leitung überall, laufende Wasserhähne...). Um dem ein wenig entgegenzusteuern wird dann nachts zwischen ca. 22h und 6h das Wasser abgestellt.
Weiterhin fällt mir hier auf, wieviele junge Leute unterwegs sind. Offizielle Zahlen bestätigen das auch: über 1/3 der Bevölkerung ist unter 16 Jahren, mehr als 50% sind unter 25, der Bevölkerungsanteil der über 65jährigen beträgt nur ungefähr 6%. Die Bevölkerungspyramide muss man sich mal vorstellen!! In der Fußgängerzone und vorallem beim allabendlichen (verstärkt am Wochenende) 'Schaulaufen' dort fällt das ungemein auf. Dieses Schaulaufen (hier genannt corso, in Albanien eher 'xhiro') ist ganz interessant, es wird sich schick gemacht und in der Fußgängerzone stolziert, gerne auch mehrmals auf und ab, oder man setzt sich an den Rand und beobachtet ein wenig (da gibt’s auch durchaus viel zu beobachten!!!). Die Fußgängerzone mutiert zur Vergnügungsmeile mit Ramsch-Verkäufern, Popcorn und Maiskolben-Verkäufern, Teste-deine-Stärke-Boxanlagen und sonstigem Schnick Schnack. Das Nachtleben setzt sich fort in den vielen Bars, Cafés und Nachtclubs. Auf der einen Seite gibt es die kleinen, versteckten, alternativen Läden, für deren Erreichen die Leute mit ihren Stöckelschuhen durch Baustellen durchklettern müssen, dann die vielen schicken Bars mit frisierten Cocktails und zu guter Letzt die großen Diskotheken, in denen es wohl eher ums Aussehen als ums Tanzen geht (was mir natürlich ziemlich schnuppe ist und wo ich aufgrund guter Musik trotzdem ziemlich viel Spaß haben kann). Die Läden sind männerdominiert, als Frau kommst du vorbei an den Warteschlangen und hast sofort Eintritt. Die Frauen haben die kürzesten Kleider und die höchsten Absätze aller Zeiten an. Deswegen können sie sich aber nicht richtig bewegen und stehen nur dumm rum und beäugen sich gegenseitig. Seit zwei Wochen hat mein Favorit (naja, und der einzige Laden, in dem ich bis jetzt wirklich war) Probleme mit der Polizei, weil ihnen irgendeine Genehmigung fehlt, die das Musikspielen nach 24h erlaubt. So rücken nun ab ca. 1h Polizeieinheiten an, die die Leute rausschmeißen und den Laden dicht machen. Der Club steht wohl in Verhandlung mit der Stadt über diese Genehmigung aber kann einige Voraussetzungen dafür nicht erfüllen. Ich hoffe, er bleibt am Leben! Das werden wir am kommenden Wochenende weiterverfolgen....

Montag, 30. August 2010

(lisa) Projekt.....mittendrin! und Nachtrag

(lisa 29.08.2010)
Projekt.....mittendrin!


Meine Projektidee konntet ihr ja nun mittlerweile schon begutachten. Und ich würde sagen, ich stecke mittendrin. Das Konzept ist fertig, ab morgen wird es das dann hoffentlich auch in Albanisch geben. Das hängt davon ab, ob die zuckersüße Juljana es rechtzeitig schafft, das Dokument zu übersetzen. Zum Ende unseres Kurses hat sie uns ganz lieb ihre Hilfe angeboten, bei allem was kommen mag, auch wenn wir mal nach Tirana kommen wollen, dann wäre sie uns behilflich bei Hotelsuche etc. Naja, ich dachte ich könnte gleich mal ihre Hilfe in Anspruch nehmen. Da die Hauptaufgabe ja nun darin besteht, Bewohner Prishtinas ausfindig zu machen, die sich zu einem Interview bereit erkären, habe ich einen Flyer entworfen. Mir gefällt der eigentlich schon ganz gut und eigentlich will ich den diese Woche in den Druck geben, damit ich dann ganz wild flyern kann. Über 5 Ecken habe ich nun auch Kontakt mit einem Studenten, der irgendeine Art Student-Center leitet, naja jedenfalls etwas, wo es Mail-Verteiler und somit eine Verbindung zu den Studis von hier gibt. Damit wäre schon mal eine Bevölkerungsgruppe abgedeckt. Die Mail ist schon verfasst und wird diese Woche auch rausgeschickt. Ich hoffe, mein Telefon wird nicht mehr still stehen :) Das erste Interview habe ich auch schon hinter mir. Mit einem 24jährigen, den ich letzte Woche in einer Bar kennengelernt habe und der recht gut Englisch sprach. Er war gleich sehr interessiert und da habe ich ihn gefragt, ob er nicht mein erster Interviewpartner sein will. Gesagt getan! Ich bin zufrieden und erleichtert, dass ich das 1. Interview hinter mir hab, aber ich denke es gibt auf jeden Fall Verbesserungsbedarf. Das Interview war definitiv zu lang. 1:50 Std. Ich muss wohl doch ein wenig spezifischer fragen oder mir einen generellen Fragenkatalog zusammenstellen, mit Fragen, die ich dann allen stelle. Ich denke, ich sollte die Interviews auf 30min verkürzen und dann vielleicht noch höchstens 30min Extrazeit gewähren. Es wird zwar sicher super interessant werden, aber ich will mich ja nicht dumm und dämlich transkribieren....
Mein erster Interviewpartner war wie gesagt ein 24jähriger Arbeitnehmer, der sein ganzes Leben in Prishtina gelebt hat. Er hat sehr ergreifende, interessante Dinge erzählt, crasse Geschichten, die auch bei mir hervorriefen, 'that your hair goes up like this'. Den Krieg scheint er garnicht so ernst genommen zu haben, er war 14 Jahre alt bei Kriegsausbruch und erst im Rückblick erkannte er, in was für einer Gefahr er sich mit seiner Familie eigentlich befand, als sie z.B. auf ihrer Flucht von Prishtina nach Prizren (südlich von Pristhtina) in ein 2stündiges Kugelgefecht zwischen serbischem Militär und UCK (Kosovarische Befreiungsarmee) Kämpfern gerieten. Jetzt im Nachhinein wird ihm klar, was seine Eltern für eine schreckliche Angst vor dem Krieg hatten. Gelassen erzählt er, wie er Experte für Bomben und Militärflugzeuge wurde, er konnte immer sofort erkennen um welches Modell etc. es sich handelte (und entschuldigte sich dann, einiges wohl wieder vergessen zu haben). Er sah den Krieg für sehr nötig; die ethnischen Säuberungen und Unterdrückung der Albaner durch die serbische Regierung konnten so ja nicht weitergehen. Aber er hatte auch schon immer serbische Freunde und wünscht sich einen friedlichen Umgang beider Bevölkerungsgruppen miteinander. Er könne aber auch verstehen, dass z.B. sein Freund, der während des Krieges stundenlang zusehen musste, wie seine Mutter und seine Schwester von serbischen Soldaten vergewaltigt und misshandelt wurden, immer noch kein Wort mit einem serbischen Bürger sprechen kann. Wenn ich so etwas höre, stoße ich schon fast an meine Grenzen des Verständlichen. Ich frage mich, was alles passieren muss, um einen Dialog zu schaffen, um wahren Frieden zu erreichen zwischen den Ethnien, um die Vergangenheitsbewältigung voranzubringen. Junge Generation – es gibt viel zu tun! Hajde Hajde!
Mein nächster Termin steht am Dienstag an. Wir haben 10 Minuten (!!!) Sendezeit in einer Radioshow erhalten. Das war garnicht so schwierig zu bewerkstelligen. Mit dem besagten Studenten von diesem Studenten-Center haben wir uns einfach mal vorgestellt und schwupp, nach ein paar Verhandlungen stand es auch schon fest. Eigentlich müsste man ja für Marketing auch was bezahlen, aber da ich ja etwas für Prishtina mache, 'würden sie mich da schon unterstützen'....aufregend! Nach einer kleinen Tour durch die Radiostudios, wo überall an den Türen das 'on air' blinkte, bin ich nun doch ein wenig aufgeregt. Aber zum Glück muss Mumsen das Moderieren ja übernehmen. Nach einem kleinen Entwurf eines Moderationstextes gestern und einer bühnenreifen kleinen Übung, wie er das denn so alles rüberbringen wolle und sich dabei eh nicht an den vorgegebenen Text halten wolle, bin ich ganz zuversichtlich. Er wird daraus schon eine gekonnte 'Ein Mann Show' machen (wie es seine Freundin so treffend formulierte :)
Aber das....wie war das....ach ja, DAS ist dann sicher eine andere Geschichte! 



Nachtrag
Von wegen....Ein Mann Show....da hatte ich mich geschnitten. Wir kamen also pünktlich um 8.20h im Radiosender an und wurden auch glücklicherweise erwartet. Die dubiose Absprache hatte also wirklich funktioniert...grandios!!...und alle wussten Bescheid. Die Moderatorin der Sendung kam zu uns und stellte sich kurz vor. Sie hatte diese übertriebene freundliche Gute-Laune-Stimme aufgelegt und sprach vor allem fließend Englisch. Nachdem sie feststellte, dass auch ich gut Englisch spreche, wollte sie das Interview bzw. die Projektpräsentation doch lieber direkt auf Englisch mit mir machen und dann live übersetzen. Gut! Mein Herz begann wie wild zu klopfen und ich glaube, ich hatte einige Schweißausbrüche. Eigentlich hatte ich ja geplant, nur daneben zu sitzen, während Mumsen schön auf Albanisch seine Reden schwingt. In Windeseile habe ich nochmal mein Konzept durchgelesen und versucht, mir einige Formulierungen bzw. Hauptaussagen zu überlegen. Die 10 Minuten Sendung verliefen super, die nette Moderatorin hat Fragen gestellt, auf die man sehr gut antworten konnte. Bei unserem kleinen Auftritt ging es vor allem darum, die Bevölkerung aufzurufen, uns für ein kleines Interview zur Verfügung zu stehen und uns von ihrem persönlichen Lieblingsplatz in Prishtina zu berichten. Mumi meinte, man hat gemerkt, wie sehr ich in der Materie drinstecke und dass es alles sehr gut rübergekommen sei. Naja, wenigstens etwas ;) Meinen Adrenalinpegel konnte ich trotzdem erst im Laufe des Nachmittags wieder einigermaßen bändigen. Maaaaaan, das war wirklich unglaublich spannend!!
Von der Sendung gibt’s leider keinen Mitschnitt aber die nette Moderatorin meinte, sie hätte noch eine andere Show, für die sie mich gerne nochmal einladen würde. Dann hätte man auch mehr Zeit, außerdem wäre das nicht live, so dass ich dann bestimmt einen Mitschnitt kriegen würde! Hoffentlich wird’s was! Viele Rückmeldung für Interviews gibt’s leider noch nicht....

Dienstag, 24. August 2010

(mumsen) Vortrag des Aussenministers Hyseni an der Uni und meine Frage....

Die albanische Diaspora und ihre Rolle....


Seit ich hier im Kosovo bin und weiß, dass ich für einen längeren Zeitraum hier sein werde, stellen sich mir viele Fragen. Es sind Fragen, die schon seit langem in einem sind und viele Albaner (so glaube ich) aus der Diaspora beschäftigen.

Im Rahmen des Seminars an der Universität in Prishtine wird am Montag der Außenminister Skender Hyseni zum Thema „ Internationale Konsolidierung des Staates Kosovo“ referieren.

Ich kann nicht leugnen, dass ich im Rahmen dieser Vorlesung insbesondere auf den Aspekt der Rolle der Diaspora-Albaner gespannt bin.

Im Kosovo ist es gerade so, dass jeder zweite, mit dem man kommuniziert und der aus dem Ausland kommt, zu hören kriegt, dass sie hier sind um ihre Staatsangehörigkeit aufzugeben.

In mehrfacher Hinsicht ist diese Entwicklung erschreckend - sowohl für die Person selbst, als auch für das Land in dem sie lebt, sowie für den jungen Staat Kosovo.

Wenn man von einer Konsolidierung spricht, also einer „Sicherung oder Festigung von etwas Bestehendem“ so ist zu hinterfragen, inwiefern das Bestehende und dessen Festigung ohne die Albaner der Diaspora zu erreichen ist?

Die Albaner der Diaspora, insbesondere jene aus dem Kosovo, um die es hier überwiegend geht, haben einen unglaublichen Anteil am Erfolg dieses Staates. Egal aus welcher Ecke der Welt sie agiert haben, sie haben es mit vollem Herzen und voller Tatkraft getan. In der Zeit, in der sie jedoch agierten, konnten sie nie direkte Rechte, hierbei ganz besonders zu erwähnen, das Wahlrecht, in Anspruch nehmen. Dieses Mittel der politischen Partizipation und als wesentliches und wichtigstes Instrument der Demokratie war ihnen stets verwehrt. In Zeiten, in denen sie es nun nutzen könnten, geben sie es ab. Wie sollen sie ihrer Rolle zur Konsolidierung nur beikommen? Wenn sie nicht politisches Interesse und politische Partizipation praktizieren können?

Für die Person, die ihre Staatsangehörigkeit aufgibt entstehen neue Möglichkeiten. Sie kann an einem neuen System partizipieren ( in Deutschland wählen) und ihren individuellen Werdegang und ihre Ressourcen erweitern durch die Aufgabe einer Staatsangehörigkeit und den Gewinn einer anderen. Jedoch lässt sich nicht abstreiten, dass im gefühlten Zwischenraum oft Konflikte bestehen. Eine absolute Teilhabe und eine Brückenfunktion mit entwicklungspolitischen Änderungsmöglichkeiten ist nicht mehr gegeben.

Der Staat der viele Menschen als Staatsbürger verliert, verliert viel Potenzial. Das Potenzial des Staatsvolkes schwindet und er schaut einfach tatenlos zu. Es ist verwunderlich.

Hinzugefügt nach dem Vortrag des Ministers:

Nach dem Gespräch mit dem Außenminister wird ersichtlich, dass es keine Linie gibt. Auf meine Frage: „Welche Rolle spielen die Auslandsalbaner und insbesondere der Aufbau von Konsulaten, die funktionieren, zur Konsolidierung?“ muss er eingestehen, dass es keinen Plan gibt dafür und dass es (mal wieder) daran liegt, dass wir keine „Tradition hätten wegen der Unterdrückung und wegen der nicht vorhandenen menschlichen ausgebildeten Ressourcen“. Es ist ersichtlich, wie wenig ausgeprägt das Interesse an den Auslandsalbanern ist. Es gibt genug gut ausgebildete Leute, die einen guten Abschluss haben in Deutschland und die diese Funktion übernehmen könnten. Das Bildungsministerium hat sogar eine Brain Gain Programm gestartet und schon alleine in dieser Datenbank müssten sich Leute finden. Wenn aber der Wille nicht da ist, dann wird sich das auch nicht ändern.

Sonntag, 22. August 2010

(lisa) Der Sprachkurs...

Um vielleicht doch mal über das 'Hallo', 'Danke' und 'Auf Wiedersehen' hinauszukommen, besuche ich also seit letztem Montag einen Albanisch Sprachkurs. Ziemlich Glück hatte ich dabei. Denn seit Montag findet hier an der Uni Prishtina ein Sprachkurs statt. Erfahren davon hatte ich erst 2 Tage vorher, nachdem ich im Auslandsamt der Uni nach einem Sprachkurs gefragt hatte. Wie das hier so läuft (ich lerne es...) macht man sich keine Gedanken um Anmeldungen o.ä. sondern erscheint einfach zur Eröffnungsveranstaltung. Das taten wir dann auch – und nach einer feierlichen Eröffnung, dem Fernsehen vor Ort, einer Rede durch den Bildungsministern und einem anschließenden Ausklang bei Schweppes-Dose und Buffet fragte ich mich mehr und mehr, was sich denn nun eigentlich hinter diesem 'Sprachkurs' verbirgt.
Es handelt sich dabei um das 'International Seminar for Albanian Language, Literature and Culture'. Dies ist ein zweiwöchiges Seminar, das 1974 von der Uni Prishtina gegründet wurde, sich an Studierende, Professoren und Forscher richtet und neben albanischen Sprachkursen auf drei unterschiedlichen Niveaus weitere Fachvorträge und Veranstaltungen rund um das Thema albanische Sprache und Literatur (diese sind leider alle auf Albanisch, so dass ich nicht daran teilnehme) beinhaltet. Es ist wohl ziemlich renommiert und ein sehr großes Event im Land. Es fand ab 1974 jährlich statt, musste dann ab 1989 aufgrund der Unterdrückung der albanischen Kultur durch die serbische Regierung ausgesetzt werden, und findet seit 2000 nun aber wieder regelmäßig statt. Es wird komplett finanziert durch das kosovarische Bildungsministerium. All diese Info über das Seminar an sich finde ich erst im Laufe der Woche heraus und finde es ein wenig skurril muss ich sagen. Die Teilnehmenden sind für 2 Wochen im Grand Hotel untergebracht und werden komplett versorgt (das fällt bei uns natürlich weg – wir haben ja unsere Wohnung), es kostet sie keinen Pfennig, sogar eine Exkursion inkl. Essengehen ist mit dabei. Wir werden ausgestattet mit Mappen, Albanischbüchern, Stiften und Papier. Eine wirkliche Bewerbung findet nicht statt, laut Teilnehmer schickt man 'einfach mal ne Email an die Uni' und gut ist. (Also Leute – die Chance 2 Wochen bezahlten Urlaub in Prishtina nächstes Jahr zu machen!!) Ist natürlich eine tolle Sache, aber ich hoffe dabei auch, dass eben so viel in die Ausbildung der eigenen Landsleute gesteckt wird....
Nun denn, alle Lernwütigen werden also in drei unterschiedliche Niveaus aufgeteilt und sammeln sich in ihren Kursen, in denen sie zweimal täglich 1,5 Stunden Albanischunterricht haben. Kommen wir nun zu meinem lieben Anfänger-Anfänger Kurs, in dem ich mich schon fast ein wenig heimisch fühle. Ich liebe ja Sprachkurse sowieso, aber Sprachkurse in einer derart fremden Sprache machen aufgrund der vielen Verwirrungen, des Durcheinanders und der zusammenschweißenden Verzweiflung einfach doppelt so viel Spaß. Wir sind ein kleiner Kurs. Angeführt von der strengen aber unglaublich herzlichen Juliana aus Tirana, auf die man jeden Morgen wieder gespannt sein kann, was sie denn aus ihrem Kleiderschrank gezaubert hat – knallenge Seidenhosen, Leoparden-Pumps, durchsichtige Rüschenblusen, knallrosa Lippenstift, blauer Lidschatten, ein enges Tshirt mit einem glitzernden Schwein drauf, das für sie – wie sie uns herzlich lachend schildert – ein Symbol für Gjermania ist. Wieso genau, das kriegen wir leider nicht raus. Jeden Morgen begrüßt sie uns gütig auf albanisch und möchte uns gleich ins Gespräch verwickeln. Das klappt meistens nicht und man versucht sich des öfteren im Kurs gegenseitig auszuhelfen, da fliegen auf einmal irgendwelche Erklärungen auf Spanisch, Französisch, Englisch, Italienisch und Deutsch umher. Zu verwirrend. Zu herrlich! Zu ihrem Ritual jeden morgen gehört, einen neuen Satz einzuführen. Dann heißt es 'Ok from now on you are not allowed anymore to say 'I have a question', but instead you say 'qziwohaoiqzwowizeowehwoewoew' So kommt das bei mir dann ungefähr immer an und ich sage dann lieber gar nix mehr. Fragen habe ich auf einmal auch gar nicht mehr! Mit einer Leichtigkeit in ihrer Stimme fordert sie dich blitzartig auf, an die Tafel zu gehen und dort irgendwelche wilden Konjugationen vorzuführen. Einspruch zwecklos. Aber ihre Devise lautet immer: Zuckersüß! Und wenn man nicht zugehört hat oder etwas zu oft fragt, dann kommt mit einem strafenden Blick und vorwurfsvoller Stimme 'I explained you today....'. Ich stehe jeden morgen eine halbe Stunde früher auf und mache noch meine Hausaufgaben...
Neben Juliana ist da also eine Nordengländerin, die einen kosovarischen Ehemann hat, ein Psychologe aus Berlin, der durch seine Betreuung von Flüchtlingen einen Bezug zum Kosovo hat und wirklich der strebsamste und ehrgeizigste Schüler aller Zeiten ist, eine Italienierin, für die Juliana alles noch ins italienische übersetzt, da sie kein Wort Englisch spricht (und ich so auch nicht genauer weiß, was sie tut), ein netter Pole mit langem Bart, der seinen Vater – einen Eulex Mitarbeiter – in Prishtina besucht, ein Deutscher, der seine Doktorarbeit über die 'Ethnische Separierung' o.ä. schreibt, ein ruhiger und runder tschechischer Professor, eine Österreicherin, die lange in Mazedonien gearbeitet hat und viel mit Albanern zu tun hatte und zwei französische Kinder, deren Eltern ursprünglich aus dem Kosovo kommen und die ihre Muttersprache leider nur wenig sprechen (und wenn, dann grölen sie irgendwas in den Unterricht rein, worauf sie von Juliana Ärger kriegen, dass sie nicht solch einen Slang sprechen sollen – dazu muss man sagen, dass Juliana ja aus Tirana, Albanien kommt und sich das Albanisch dort zu dem kosovarischen Albanisch wohl sehr unterscheidet). Albanien ist sprachlich gesehen (naja oder auch kulturell wie einige behaupten) in zwei Dialekte gespalten, im Süden spricht man Toskisch, was als Hoch-Albanisch bezeichnet wird und die 'offizielle Sprache' des Landes ist, in Nordalbanien spricht man Gegisch, einen starken Dialekt. Tirana bildet hierbei ungefähr die Grenze. Das Albanisch im Kosovo gleicht wohl eher dem Gegischen. Wenn ich Mumsen mit meinen gelernten Vokabeln nerve, stellen wir schon öfter fest, dass er ganz andere Worte benutzt oder die Worte auch nicht kennt (er kommt ursprünglich aus dem Norden des Kosovos).
Man man da sind jedenfalls schon interessante Sprachen vertreten, die die anderen in petto haben: mazedonisch, serbisch, creolisch, griechisch, bulgarisch..
Für mich ist es unglaublich schwer. Zum ersten Mal lerne ich eine andere Sprache als eine romanische oder germanische Sprache. Man kann sich kaum etwas herleiten oder Parallelen zu Bekanntem feststellen, hinzu kommt, dass Albanisch (so ähnlich wie Polnisch vielleicht?) mit 5 verschiedenen Fällen ziemlich verwirrend ist, die Namen verändern sich je nach Fall (aus Boris wird Borisit), Nomen verändern sich je nach dem ob sie bestimmt oder unbestimmt gebraucht werden (aus Prishtina wird Prishtine...diese Regel werde ich sicher lange nicht anwenden können...)Ich kann mir Worte einfach partout nicht merken (abgesehen von meinen 3 Standardwörtern...). Der Klang ist natürlich fern ab von allem, was ich kenne. Momentan kämpfe ich noch gegen meine spanische Aussprache der Wörter an. Aber ich bin ja viel mit Mumsen unterwegs und lausche seinen Floskeln, die ich mittlerweile auch schon woanders wieder raushören kann...und zu gerne die ganze Zeit vor mich hin sage. Natürlich in den unpassendsten Situationen. Es wird! In 3 Monaten erzähle ich euch bestimmt schon ne kleine Geschichte :) Auf jeden Fall wird hier jeglicher Versuch, albanisch zu sprechen, sehr herzlich aufgenommen und die Einwohner freuen sich richtig. Auch wenn sie dann oft lieber auf Deutsch umschweifen, das hier wirklich viele Leute sprechen (bzw. einige Floskeln eben nur). Meine Hemmschwelle ist auch noch recht groß, Gelerntes einfach mal auszusprechen (hängt bestimmt auch damit zusammen, dass man jedes Mal danach n Knoten in der Zunge hat...).
Aber, 3 Tage Kurs kommen ja noch! Bei der OSZE habe ich schon nach einem möglichen Platz in einem Sprachkurs für Mitarbeiter angefragt. Aber DAS ist dann sicherlich eine andere Geschichte...